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ISO 9001:2026 – Die neue Revision mit Klimawandel-Amendment

Die ISO 9001 steht vor ihrer umfassendsten Aktualisierung seit der Revision 2015. Der aktuelle Entwurf E DIN EN ISO 9001:2025-09 liegt vor und bildet die Grundlage für die finale Veröffentlichung. IQI begleitet Unternehmen bereits jetzt bei der Vorbereitung auf die neuen Anforderungen – denn die Zeit bis September 2029 ist schneller vorbei, als man denkt.

Die Revision bringt zwei zentrale Neuerungen: Erstens werden die Anforderungen an Führung und Risikomanagement geschärft. Zweitens – und das ist der dominierende Trend in allen Managementnormen – wird der Klimawandel als expliziter Faktor in alle Klauseln integriert. Das sogenannte Climate Amendment (ISO 9001:2015/Amd 1:2024) ist dabei bereits jetzt anwendbar und wird nahtlos in die neue Norm überführt.

Zeitplan und Meilensteine der ISO 9001:2026

Die Revision der ISO 9001 folgt einem strukturierten Zeitplan. Hier die wichtigsten Meilensteine im Überblick:

Meilenstein Datum Bedeutung
Committee Draft (CD) vorhanden 2025 Entwurf E DIN EN ISO 9001:2025-09 liegt vor und definiert die Stoßrichtung der Revision.
Finaler Entwurf (FDIS) Frühjahr 2026 Letzte Kommentierungsrunde vor der offiziellen Veröffentlichung.
Veröffentlichung ISO 9001:2026 September 2026 Die neue Norm wird offiziell veröffentlicht. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Transition-Phase.
Transition-Phase Sept. 2026 – Sept. 2029 Drei Jahre Zeit, bestehende Zertifikate auf die neue Version umzustellen.
Deadline September 2029 Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen alle Organisationen auf ISO 9001:2026 umgestellt sein.

Wichtiger Hinweis: Diese Übersicht basiert auf dem aktuellen Entwurf (E DIN EN ISO 9001:2025-09) und dem veröffentlichten Klimawandel-Amendment. Die finale Version kann Abweichungen enthalten. Prüfen Sie die endgültige Norm nach Veröffentlichung im September 2026.

Das Klimawandel-Amendment 2024

Definition: Klimawandel-Amendment

Das Klimawandel-Amendment (ISO 9001:2015/Amd 1:2024) ist eine Ergänzung zur ISO 9001:2015, die seit 2024 offiziell veröffentlicht ist. Es integriert Klimawandel als explizites Thema in alle Kernklauseln der Norm.

Anwendbarkeit: Das Amendment ist bereits jetzt anwendbar – Unternehmen müssen nicht bis zur finalen ISO 9001:2026 warten, um Klimawandel-Aspekte in ihr Qualitätsmanagementsystem zu integrieren.

Hintergrund des Amendments

Die ISO-Organisation hat beschlossen, Klimawandel explizit in die Managementsystem-Normen aufzunehmen. Dies betrifft nicht nur die ISO 9001, sondern alle HS-Normen (ISO 9001, 14001, 45001 und weitere). Der Grund: Klimawandel ist für viele Organisationen längst ein relevanter Faktor – sei es durch regulatorische Anforderungen, Lieferketten-Risiken oder Stakeholder-Erwartungen.

Wesentliche Änderungen durch das Amendment

  • Klausel 4.1: Klimawandel wird als relevantes externes Thema anerkannt.
  • Klausel 4.2: Interessierte Parteien können Klimawandel-Anforderungen haben.
  • Explizite Nennung: Klimawandel wird direkt in der Norm erwähnt.
  • Verbindung zu ISO 14001: Die Verknüpfung zwischen Qualitäts- und Umweltmanagement wird gestärkt.

Für Unternehmen mit integrierten Managementsystemen bedeutet dies: Die Anforderungen des Amendments betreffen alle Normanwendungen parallel. IQI unterstützt bei der koordinierten Umsetzung.

Detaillierte Änderungen je Klausel

Die Kernstruktur der Harmonized Structure (HS) bleibt erhalten. Die Änderungen konzentrieren sich auf die Integration von Klimawandel-Aspekten und die Schärfung bestehender Anforderungen. Im Folgenden die wesentlichen Anpassungen je Klausel:

Klausel 4 – Kontext der Organisation

Klausel 4 definiert den Anwendungsbereich und identifiziert die relevanten interessierten Parteien. Neu: Klimawandel wird explizit als relevanter Aspekt in die Kontext-Analyse aufgenommen. Unternehmen müssen systematisch prüfen, ob und wie der Klimawandel ihr Qualitätsmanagementsystem beeinflusst – sei es durch physische Risiken (Extremwetter, Überschwemmungen), regulatorische Änderungen oder Erwartungen von Kunden und Stakeholdern. Die Anforderung "interessierte Parteien" wird um Klimawinkel-Perspektiven erweitert.

Klausel 5 – Führung

Die Leitung muss nachweisbares Commitment für das Qualitätsmanagementsystem zeigen – und neu: auch für Klimawandel-Aspekte. Das Top-Management kann sich nicht mehr auf eine allgemeine Qualitätspolitik im Ordner beschränken. Konkret bedeutet dies: Führungskräfte müssen aktiv adressieren, wie das Unternehmen mit klimabedingten Chancen und Risiken umgeht, Verantwortlichkeiten zuweisen und die Integration in strategische Planungen sicherstellen. Die Rechenschaftspflicht der Geschäftsleitung wird damit messbarer.

Klausel 6 – Planung

Das Risikomanagement wird erweitert: Klimawandel-Risiken müssen in die bestehende Risikoanalyse integriert werden. Unternehmen müssen nicht nur traditionelle Qualitätsrisiken bewerten, sondern auch klimabedingte Chancen und Bedrohungen systematisch identifizieren. Dies umfasst physische Risiken (z. B. Standortgefährdung durch Hochwasser), transitorische Risiken (z. B. neue Regulierung, CO₂-Bepreisung) und Reputationsrisiken (z. B. Kunden- und Investorenanforderungen). Die Planungsprozesse müssen diese Aspekte in Ziele, Kennzahlen und Aktionspläne einbeziehen.

Klausel 7 – Unterstützung

Ressourcen und Kompetenzen müssen Klimawandel-Aspekte abdecken. Praktische Auswirkungen: Die Schulungsplanung sollte Klimawandel-Themen für relevante Mitarbeiter umfassen. Ressourcenallokation muss berücksichtigen, welche Investitionen für Klimaresilienz oder Emissionsreduzierung notwendig sind. Dokumentation und Kommunikation müssen Klimawandel-Informationen transportieren – intern und extern. Für Unternehmen, die bereits ISO-9001-Audits durchlaufen, bedeutet dies eine Erweiterung bestehender Dokumentationen.

Klausel 8 – Betrieb

Betriebliche Prozesse müssen Klimawandel-Aspekte integrieren. Die Planung und Steuerung der Prozesse (Klausel 8.1) muss klimarelevante Einflüsse berücksichtigen. Dies betrifft Beschaffungsentscheidungen (Lieferantenbewertung unter Klimagesichtspunkten), Produktionsprozesse (Energieeffizienz, Materialeinsatz), Logistik (Transportwege, Emissionen) und Notfallplanung (Klimabedingte Störungen). Die Anforderung zur Lenkung dokumentierter Informationen bleibt bestehen – neu ist der Fokus auf Klimawandel-Dokumentation als Teil des Qualitätsmanagementsystems.

Klausel 9 – Bewertung der Leistung

Monitoring und Messung müssen Klimawandel-Kennzahlen erfassen. Unternehmen sollten geeignete KPI zur Klimaperformance definieren – sei es Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch oder Abfallaufkommen. Die Ergebnisse des Monitorings fließen ins Management Review ein. Neu ist die Anforderung, klimabezogene Leistungsdaten systematisch zu auszuwerten und in die Bewertung der Gesamtleistung des QMS einzubeziehen. Interne Audits müssen entsprechende Prüfkriterien abdecken.

Klausel 10 – Verbesserung

Verbesserungsprozesse müssen Klimawandel-Bezug berücksichtigen. Nichtkonformitäten und Korrekturmaßnahmen sollten klimabedingte Ursachen adressieren. Die kontinuierliche Verbesserung (Klausel 10.3) kann durch Klimaschutz-Initiativen angereichert werden – etwa Energieeffizienz-Projekte, Kreislaufwirtschaft-Ansätze oder Emissionsreduzierung. Die Norm fordert nicht zwingend einen eigenen Klimabericht, aber die Integration von Klimawandel-Aspekten in bestehende Verbesserungsprozesse ist ein Kernanliegen der Revision.

Was bedeutet die ISO 9001:2026 für zertifizierte Unternehmen?

Die 3-jährige Transition-Phase

Nach Veröffentlichung der neuen Norm im September 2026 gilt eine Transition-Phase von drei Jahren – also bis September 2029. In dieser Zeit gelten folgende Regeln:

  • Bestehende Zertifikate nach ISO 9001:2015 bleiben bis zum Ablauf der Transition gültig.
  • Auditierungen während der Transition können wahlweise nach 2015 oder 2026 erfolgen.
  • Spätestens September 2029 müssen alle Organisationen auf die neue Version umgestellt sein.
  • Zertifizierungsstellen bieten Übergangs-Audits an, um frühzeitig zu wechseln.

💡 IQI-Empfehlung: Warten Sie nicht bis zum letzten Moment! Eine frühzeitige Umstellung vermeidet Zeitdruck, ermöglicht eine saubere Umsetzung und gibt Ihnen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Unternehmen, die das Thema aufschieben.

Warum eine Gap-Analyse sinnvoll ist

Die Unterschiede zwischen ISO 9001:2015 und ISO 9001:2026 sind substanziell – vor allem wegen der Klimawandel-Integration. Eine systematische Gap-Analyse hilft Ihnen:

  • Bestehende Prozesse auf die neuen Anforderungen abzuklopfen.
  • Fehlende Klimawandel-Betrachtungen zu identifizieren.
  • Ressourcenbedarf realistisch einzuplanen.
  • Risiken durch verspätete Umstellung zu vermeiden.

IQI bietet Beratung zur Revision an – von der Gap-Analyse über die Anpassung der Dokumentation bis zur Begleitung beim Übergangsaudit. Für Unternehmen mit integrierten Managementsystemen prüfen wir die Auswirkungen auf alle beteiligten Normen gleichzeitig.

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Neue und aktualisierte Begriffe

Die Revision führt neue Begriffe ein und aktualisiert bestehende Definitionen. Der Fokus liegt auf Klimawandel-relevanter Terminologie. Zu den wichtigsten gehören:

  • Klimawandel: Langfristige Veränderungen der globalen Klimamuster, relevant als externer Faktor für Organisationen.
  • Klimawandel-Risiko: Potenzielle negative Auswirkungen klimabedingter Faktoren auf die Organisation.
  • Klimaresilienz: Fähigkeit einer Organisation, sich an klimabedingte Veränderungen anzupassen und diese zu bewältigen.
  • Interessierte Parteien mit Klimawandel-Anforderungen: Stakeholder, deren Erwartungen klimabezogene Aspekte umfassen.

Diese Begriffe werden in die bestehende Terminologie-Tabelle der ISO 9001 integriert und schaffen eine einheitliche Grundlage für die Anwendung in Audits und Zertifizierungen.

Umsetzungsempfehlungen: So gelingt die Transition

Eine strukturierte Herangehensweise spart Zeit und Ressourcen. IQI empfiehlt folgende neun Schritte:

  1. Kontext-Analyse aktualisieren: Klimawandel als externes Thema in die Organisation kontext Analyse aufnehmen. Systematisch relevante Klimafaktoren identifizieren.
  2. Stakeholder-Analyse erweitern: Prüfen, welche interessierten Parteien Klimawandel-Anforderungen haben – Kunden, Behörden, Investoren, NGOs, Mitarbeiter.
  3. Risikoanalyse erweitern: Klimawandel-Risiken und -Chancen systematisch identifizieren, bewerten und in das bestehende Risikomanagement integrieren.
  4. Qualitätspolitik anpassen: Klimawandel-Bezug in der Qualitätspolitik aufnehmen – falls für die Organisation relevant.
  5. Ziele und Kennzahlen definieren: Klimawandel-bezogene Ziele setzen und messbare Kennzahlen (KPI) entwickeln.
  6. Prozessbeschreibungen integrieren: Klimawandel-Aspekte in relevante Prozesse einarbeiten – Beschaffung, Produktion, Logistik, Notfallplanung.
  7. Kompetenzmatrix prüfen: Schulungsbedarf zu Klimawandel-Themen ermitteln und in die Weiterbildungsplanung aufnehmen.
  8. Interne Audit-Checkliste erweitern: Klimawandel-Prüfkriterien in die Auditplanung aufnehmen und Auditoren schulen.
  9. Management Review anpassen: Klimawandel als festen Tagesordnungspunkt im Management Review etablieren.

Diese Schritte bauen aufeinander auf und können je nach Organisationsgröße und bestehendem Reifegrad des QMS angepasst werden. IQI begleitet den gesamten Prozess – von der Strategie bis zur Dokumentation.

Häufig gestellte Fragen zur ISO 9001:2026

Wann wird die ISO 9001:2026 veröffentlicht?

Die Veröffentlichung der ISO 9001:2026 ist für September 2026 geplant. Der aktuelle Entwurf (E DIN EN ISO 9001:2025-09) bildet die Grundlage für die finale Version.

Wie lange läuft die Transition-Phase?

Nach Veröffentlichung gilt eine drei jährige Transition Phase bis September 2029. In dieser Zeit müssen alle Organisationen ihre Zertifikate auf die neue Version umgestellt haben.

Was ist das Klimawandel-Amendment?

Das Klimawandel-Amendment (ISO 9001:2015/Amd 1:2024) ist eine Ergänzung zur ISO 9001:2015, die Klimawandel explizit in alle Kernklauseln integriert. Es ist bereits jetzt anwendbar und wird nahtlos in die ISO 9001:2026 überführt.

Welche Klauseln ändern sich konkret?

Alle Hauptklauseln 4 bis 10 werden angepasst. Der Schwerpunkt liegt auf der Integration von Klimawandel als explizitem Faktor in Kontext der Organisation (K4), Führung (K5), Planung (K6), Unterstützung (K7), Betrieb (K8), Bewertung der Leistung (K9) und Verbesserung (K10).

Müssen Zertifikate sofort umgestellt werden?

Nein. Bestehende Zertifikate nach ISO 9001:2015 bleiben bis zum Ende der Transition-Phase gültig. Unternehmen können wählen, ob sie während der Transition nach 2015 oder 2026 auditiert werden möchten. Frühzeitige Umstellung wird jedoch empfohlen.

Was bedeutet die Revision für integrierte Managementsysteme?

Das Klimawandel-Amendment betrifft alle HS-Normen (ISO 9001, 14001, 45001 etc.). Bei integrierten Managementsystemen sollten die Auswirkungen auf alle Normanwendungen koordiniert geprüft werden, um Synergien zu nutzen und widersprüchliche Anforderungen zu vermeiden.

Wann sollte die Gap-Analyse zur ISO 9001:2026 starten?

2026 ist der ideale Zeitpunkt – direkt nach Veröffentlichung. So bleibt genug Zeit für eine saubere Umsetzung ohne Zeitdruck. IQI bietet Gap-Analysen bereits jetzt auf Basis des vorliegenden Entwurfs an.

Transition-Checkliste: Ihre Schritte zur ISO 9001:2026

Nutzen Sie diese Checkliste für eine systematische Umstellung auf die neue Norm:

  • ISO 9001:2026 Entwurf studieren und Änderungen verstehen
  • Gap-Analyse durchführen: Bestehendes QMS mit neuen Anforderungen vergleichen
  • Klimawandel-Relevanz für die Organisation bewerten
  • Kontext-Analyse und Stakeholder-Identifikation aktualisieren
  • Risikoanalyse um Klimawandel-Risiken erweitern
  • Qualitätspolitik und Qualitätsziele überprüfen und anpassen
  • Prozessbeschreibungen und Arbeitsanweisungen aktualisieren
  • Schulungsbedarf ermitteln und Mitarbeiter qualifizieren
  • Interne Audit-Checklisten um Klimawandel-Prüfkriterien ergänzen
  • Management Review um Klimawandel-Themen erweitern
  • Übergangsaudit mit der Zertifizierungsstelle vereinbaren

Zusammenfassung: ISO 9001:2026 auf einen Blick

  • ✅ Veröffentlichung voraussichtlich September 2026
  • ✅ Transition-Phase von 3 Jahren bis September 2029
  • ✅ Hauptänderung: Integration von Klimawandel in alle Klauseln
  • Klimawandel-Amendment 2024 bereits jetzt anwendbar
  • ✅ Bestehende Zertifikate nach ISO 9001:2015 bleiben gültig
  • Frühzeitige Gap-Analyse und schrittweise Umstellung empfohlen

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