Glossar-Begriff · Nachhaltigkeit & ESG

Doppelte Wesentlichkeit

Kurz:

Die doppelte Wesentlichkeit (Double Materiality) ist das zentrale Bewertungsprinzip der CSRD/ESRS. Unternehmen bewerten sowohl ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft (Inside-Out) als auch die finanziellen Risiken und Chancen durch Nachhaltigkeitsfaktoren (Outside-In).

Definition

Die doppelte Wesentlichkeit verlangt zwei Betrachtungsrichtungen: Die Wirkungswesentlichkeit (Inside-Out) erfasst, wie das Unternehmen auf Mensch und Umwelt wirkt. Die finanzielle Wesentlichkeit (Outside-In) erfasst, wie Nachhaltigkeitsthemen die finanzielle Lage, Ertragslage und den Unternehmenswert beeinflussen. Ein Thema gilt als wesentlich, wenn es in einer oder beiden Richtungen wesentlich ist. Die Analyse bestimmt, welche ESRS-Standards und Datenpunkte berichtet werden müssen. Sie muss dokumentiert, nachvollziehbar und regelmäßig aktualisiert werden. Dieses Konzept unterscheidet die CSRD von älteren Ansätzen, die primär die Wirkung des Unternehmens nach außen betrachteten.

Praxisbezug

Ein Kunststoffverarbeiter bewertet das Thema Klimawandel doppelt: Seine Produktion verursacht Emissionen (Inside-Out), und steigende CO2-Preise sowie Extremwetter belasten seine Kosten und Lieferkette (Outside-In). Beide Perspektiven machen das Thema wesentlich und berichtspflichtig.

Normbezug

CSRD (Richtlinie (EU) 2022/2464); ESRS 1

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